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So schützt du dich vor Listeriose in der Schwangerschaft

So schützt du dich vor Listeriose in der Schwangerschaft

Bei Listeriose handelt es sich um eine meist harmlose Infektionskrankheit. Für Schwangere und ihr ungeborenes Baby können die Erreger jedoch gefährlich werden. Erfahre hier alles über Ursachen, Symptome und Behandlung der Erkrankung.

Text: Kerstin Hemmerde

Was genau ist Listeriose?

Kleine Bakterien mit großer Wirkung: Listeria monocytogenes heißen die Erreger, die eine Listeriose verursachen. Diese stäbchenförmigen Bakterien sind sehr widerstandsfähig. Sie können sich sowohl bei Kühlschranktemperaturen als auch bei Wärme bis zu 45 Grad gut verbreiten und benötigen kaum Nährstoffe für ihre Vermehrung. Listerien kommen weltweit vor und sind vor allem bei Säugetieren und Vögeln zu finden. Auch Pflanzen können über Fäkalien kontaminiert werden, die zum Beispiel beim Düngen oder durch den Kot von Tieren übertragen wurden. Auch durch ungewaschene Hände oder nicht gereinigte Maschinen kann das Bakterium in der Lebensmittelverarbeitung verbreitet werden. In Deutschland gibt es nur wenige Fälle an Listeriose. Durchschnittlich 450 Mal pro Jahr wird in Deutschland eine Infektion mit Listerien festgestellt. Meist verläuft die Erkrankung mild. Personen mit einem geschwächten Immunsystem, Schwangere und ihre ungeborenen Babys können jedoch heftig betroffen sein.

Symptome

Gesunde Erwachsen merken meist gar nicht, dass sie sich mit Listerien infiziert haben. Bei ihnen verläuft die Krankheit in der Regel unauffällig. Mit einer Inkubationszeit zwischen drei und 70 Tagen kann viel Zeit zwischen Auslöser und Infektion vergehen, so dass sich Erkrankte meist gar nicht mehr an die Ursache erinnern. Selten kommt es zu harmlosen Grippe-Symptomen wie Fieber oder Muskelschmerzen. Manchmal werden auch Erbrechen oder Durchfall hervorgerufen, da die Listerien über das Essen und damit über den Magen-Darm-Bereich in den Körper gelangen. Einen schweren Verlauf kann Listeriose bei Personen mit eingeschränkter Immunabwehr nehmen. Dann breiten sich die Bakterien weiter im Körper aus. Es kann zu einer Entzündung des Gehirns oder der Hirnhaut kommen. In einigen Fällen befallen Listerien weitere Organe und lösen dort Infektionen aus. Wenn Listerien in die Blutbahn eindringen, können sie dort zu einer Blutvergiftung führen.
Vorsicht ist bei rohem Käse und roher Wurst geboten | Bild: Getty

Listeriose in der Schwangerschaft

Auch Schwangere merken meistens nicht, dass sie sich mit Listerien infiziert haben. Vielleicht treten grippeähnliche Symptome auf, vielleicht aber auch gar keine. Für das Baby jedoch besteht große Gefahr. Die Bakterien können über die Nabelschnur oder auch bei der Geburt auf das Kind übertragen werden. Bei ungeborenen Babys kann eine Listeriose vorzeitige Wehen auslösen. Damit steigt das Risiko einer Frühgeburt oder sogar Totgeburt. Wenn das Kind zur Welt kommt, kann es in den ersten Tagen nach der Geburt eine Blutvergiftung erleiden. Auch Atemnot oder eine Hirnhautentzündung können auftreten. Schwangere können jedoch beruhigt sein. Listeriose-Fälle sind gefährlich, treten aber selten auf. 2016 gab es gerade einmal 22 bestätigte Fälle bei werdenden Müttern. Das liegt vor allem daran, dass werdende Mütter ganz besonders vorsichtig sind. Sie schützen sich und ihr Baby und bemühen sich, das Listeriose-Risiko so gering wie möglich zu halten.

Diagnose und Behandlung

Um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten, lässt der Arzt Körperflüssigkeiten auf Listerien untersuchen. Das kann Blut sein, aber auch Nervenwasser oder Vaginalsekret. Gibt es Lebensmittel, die als Ursache verdächtigt werden, können auch sie zur Analyse ins Labor geschickt werden. Erkrankte Personen werden mehrere Wochen lang mit Antibiotika behandelt, um alle Bakterien abzutöten. Es ist wichtig, dass die Antibiotika-Gabe so schnell wie möglich erfolgt, um die Schäden so gering wie möglich zu halten. So kann auch eine Übertragung auf das Kind verhindert werden.

Vorsicht bei diesen Lebensmitteln

Listerien verbreiten sich meistens über bestimmte Lebensmittel. „Vor allem ältere Personen sowie Schwangere und Menschen mit verminderter Immunabwehr laufen Gefahr, an einer Listeriose zu erkranken“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Er ist Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR. „Deshalb gelten insbesondere für diese Personengruppen ganz besondere Regeln für den Verzehr bestimmter Lebensmittel und die Küchenhygiene.“ Sauberkeit ist in der Küche ganz besonders wichtig. Zudem rät das BfR diesen Personen, folgende Produkte zu meiden, wenn sie nicht unmittelbar vor dem Essen auf mindestens 70 Grad Kerntemperatur erhitzt wurden:

Lebensmittel, die Listerioseerreger enthalten können:

Milchprodukte
  • Rohmilch und unter Verwendung von Rohmilch hergestellte Produkte
  • Käse aus Rohmilch mit Ausnahme von lang gereiftem Hartkäse halbfester Käse mit Blauschimmel
  • weiche Käsesorten aus pasteurisierter Milch, die mit Oberflächenschmiere hergestellt sind
  • eingelegter Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen
  • vorgefertigter Reibekäse
Fleisch
  • rohes Fleisch
  • Rohwürste, insbesondere streichfähige, kurz gereifte Sorten
  • Pasteten aus Fleisch, Fisch oder pflanzlichen Lebensmitteln (ausgenommen Konserven)
Fisch:
  • rohe Fischerzeugnisse oder Schalentiere
  • vorgegarte Garnelen und Krebstiere
  • geräucherte Fischerzeugnisse
  • gebeizte Fischerzeugnisse
  • Fischerzeugnisse in Halbkonserven, mit Ausnahme von Erzeugnissen in original verschlossenen Herstellerpackungen, die vollständig mit stark saurem Essigaufguss bedeckt sind
Gemüse, Blattsalate, Kräuter und Obst
  • rohe Sprossen und Keimlinge
  • ungewaschenes Obst, Gemüse und frische Kräuter
  • tiefgefrorenes Obst, Gemüse und tiefgefrorene Kräuter
  • vorgeschnittene, verpackte Salate und Krautsalat
  • ungekühlte vorgeschnittene Melonen
  • Feinkost, Antipasti und Sandwiches
  • Feinkostsalate und Antipasti aus offenen Gefäßen sowie in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung
  • Feinkostsalate, Sandwiches und belegte Brötchen mit oben genannten Zutaten
Zudem gilt es, die Übertragung der Keime von belasteten auf unbelastete Lebensmittel zu verhindern. Eine solche Kreuzkontamination kann durch ungewaschene Hände, verschmutzte Tücher oder dreckiges Besteck geschehen. Das BfR hat dazu ein Merkblatt mit Tipps zum Schutz vor einer Listerien-Lebensmittelinfektion zusammengestellt.  

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